Geschichte des Löschzug 1

Geschichte 

In der Ausgabe des Wittgensteiner Kreisblattes im Sieg-, Lahn- und

Edertale vom Sonnabend, dem 30. Oktober 1875 stellte der Verfasser aufgrund von großen Bränden, welche seinerzeit in mittleren und kleinen Provinzialstädten stattfanden, die Frage, ob den Löschanstalten in den einzelnen Städten diejenige Beachtung geschenkt werde, welche dieselben verdienten.

 

Wenngleich kleinere Städte Berufsfeuerwehren nicht zu unterhalten vermochten und diese auch nicht erforderlich waren, wurde gleichwohl auch für sie eine Organisation im Löschwesen gefordert, die genügend

Schutz gegen Brände gewähren sollte. In erster Linie sollte man nach

Meinung des Autors einen befähigten Mann an die Spitze eines einheitlich organisierten Corps stellen, welches sich aus freiwilligen

Mannschaften rekrutieren sollte, die aus der Bürgerschaft in einem bestimmten Alter Feuerwehrdienste leisten und die Ausbildung und dem Dienste notwendigen Übungen bei strenger Strafe besuchen sollten. Neben der Befugnis über die Disposition über die Mannschaft sollte man ihm auch für dieselbe geeignete Geräte und die geeigneten Lokale in geeigneter Lage der Stadt zur Verfügung stellen.

 

Im Wittgensteiner Land erließ der Landrat des Kreises am 21. Oktober 1834 eine Feuerlöschordnung, wonach der Ausbruch eines Brandes durchs Läuten der vorhandenen Kirchen- oder Kapellenglocken, durch „Feuer“! –rufen und bei Nachtzeit auch durch stetes Blasen des Nachtwächters angezeigt wurde. Jeder arbeitsfähige Bewohner war verpflichtet, zur schleunigen Löschung mit allen Kräften mitzuwirken und sich zu dem Zwecke auf der Brandstätte einzufinden, sobald diese Feuerzeichen vernommen wurden.

 

Nach einem Brand im Hause des Schneidermeisters Hoffmann war auch in Erndtebrück erstmals der Gedanke an eine Feuerwehr aufgekommen und hatte zu dem nachstehenden Aufruf in der Wittgensteiner Zeitung vom 1. Januar 1896 geführt, dem jedoch offensichtlich keine Beachtung  geschenkt wurde.

 

Weitere Brände in den darauf folgenden Jahren ließen den Ruf nach einer Feuerwehr immer stärker werden, so dass sich die Gemeindevertretung Erndtebrück am 24. März 1898 mit diesem Thema befasste, einen Beschluss über die Einrichtung einer freiwilligen Feuerwehr jedoch aussetzte.

Erst am 5. Dezember 1899 beschloss die Gemeindevertretung, zu einer Versammlung einzuladen, um die Bereitschaft, einer freiwilligen Feuerwehr beizutreten, festzustellen. Eine solche Versammlung hat entweder nicht stattgefunden oder nicht die gewünschte Resonanz gebracht, da erst fünf Jahre später, im Februar 1904, der Erndtebrücker Fabrikant Gustav Berger den Brand im Hause des Fuhrunternehmers Wilhelm Busch schließlich zum Anlass nahm, folgenden Aufruf in der Erndtebrücker Zeitung zu veröffentlichen:

 

„An die Bewohner von Erndtebrück“

 

Im Hinblick auf das Brandunglück vom verflossenen Sonntag, das uns mit erschreckender Deutlichkeit vor Augen geführt hat, wie notwendig wir einer organisierten Feuerwehr bedürftig sind, lade ich Alle, welche sich für die Gründung einer solchen interessieren, zu einer Besprechung auf Donnerstag, den 25. d. Monats, abends 8 Uhr, in das Lokal der Herrn Gastwirts Bald hierselbst ein. Herr Feuerwehr-Hauptmann Klotz aus  Weidenau wird einen Vortrag halten.

 

Zu recht zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein

 

Erndtebrück, 22. Feb. 1904                                              gez. Gustav Berger

 

 

Dem Aufruf des Herrn Berger waren 55 Erndtebrücker Bürger gefolgt, darunter die Herren Amtmann Schmidt und Gemeindevorsteher Afflerbach.

 

Im Verlauf der Versammlung wurde aus den Reihen der Anwesenden eine Kommission, bestehend aus den Herren Fabrikant Berger, Redakteur Schmitz, Betriebswerkmeister Hoffmann, Schuhmacher- meister Saßmannshausen, Dachdeckermeister Gebhardt, Fabrikmeister Wagener, Schreinermeister Weyandt und Schlosser Karl Herling gewählt, die dann erstmals am 2. März 1904 zur Beratung einer Satzung zusammentrat. Als Grundlage diente hierbei die Satzung der Gemeindefeuerwehr Weidenau.

 

Die erste ordentliche Hauptversammlung fand dann am 9. März 1904 wiederum im Saal der Gastwirtschaft des Herrn Bald statt. Es wurde eine Satzung beschlossen und ein aus 8 Mitgliedern bestehender Vorstand gewählt, dem neben dem 1. Vorsitzenden, Fabrikant Gustav Berger, Redakteur Schmitz als Schriftführer und Betriebswerkmeister Hoffmann als Kassenwart angehörten. Erster Feuerwehrhauptmann wurde Klempnermeister Heinrich Saßmannshausen. Gustav Berger sollte bis zu seinem Wohnortwechsel im Jahre 1921 Vorsitzender der Wehr bleiben.

 

Insgesamt waren bis zu diesem Zeitpunkt 42 aktive und 10 inaktive Erndtebrücker Bürger dem Aufruf des Herrn Berger gefolgt und der Freiwilligen Feuerwehr Erndtebrück beigetreten.

 

Eine Sammlung in der Bevölkerung sowie Spenden der Firma Berger, der Kölner Direktion der Pulverfabrik, des Herrn Rommel aus Kassel und der Feuersozietät in Münster machten es möglich, noch im Gründungsjahr Uniformen und weitere Ausrüstungen anzuschaffen. Darüber hinaus konnte mit Holzspenden des Fürsten Ludwig von Wittgenstein und des Fabrikanten Gustav Berger ein Steigergerüst in Eigenleistung der Feuerwehr erstellt werden.

 

Die erste Übung der Wehr, in der auch Muster der Ausrüstungsgegenstände vorgestellt werden sollten, ordnete der Hauptmann über die Tageszeitung auf Donnerstag, den 14. April 1904 an. Mit Genehmigung des Schulvorstandes wurde vorläufig der Schulplatz als Übungsplatz in Aussicht genommen.

 

 

Freiwillige Feuerwehr Erndtebrück mit den Kameraden aus Weidenau

 

Nach einem Bericht der Wittgensteiner Zeitung vom 6. August 1904 fand die erste Probealarmierung am Mittwoch, dem 3. August 1904 statt. Sechs Minuten nach dem ersten Alarmton wurde die Spritze herausgefahren und die Steiger traten mit den Leitern heraus; zehn Minuten nach dem Alarmsignal war die Wehr in vollster Tätigkeit, so dass im Ernstfalle der Brand nach kurzer Zeit hätte bewältigt werden können, was den Berichterstatter zu der Schlussfolgerung verleitete „Lieb Vaterland, kannst ruhig sein!“. Die erste Schlussübung wurde am Samstag, dem 16. Oktober 1904 in Gegenwart des Feuerwehrhauptmannes Klotz aus Weidenau am Gasthof Martin durchgeführt und bestätigte den guten Ausbildungsstand der Wehr.

 

In der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember des Jahres 1904 erhielt dann die noch junge Wehr ihre Feuertaufe, als das Anwesen des Bäckermeisters Völkel (Talstraße) brannte und der tatkräftige Einsatz der Wehrmänner dann auch lobend erwähnt wurde.

 

Am Samstag, dem 28. Januar 1905, abends 8 Uhr, veranstaltete die Freiwillige Feuerwehr aus Anlass des kaiserlichen Geburtstages einen Festkommers im Lokal des Wirtes Saßmannshausen.

 

Bereits zwei Jahre nach der Gründung der Wehr erkannten die Verantwortlichen die negativen Auswirkungen von Alkohol im Einsatz, sodass sich der Landrat des Kreises Wittgenstein gezwungen sah, durch die vorstehende amtliche Bekanntmachung das Verabreichen von alkoholischen Getränken an die Einsatzkräfte zu untersagen.

 

In den folgenden Jahren wurde die Feuerwehr dann auch häufig in Anspruch genommen und konnte durch den von Idealismus und guten Kenntnissen geprägten Einsatz der Feuerwehrmänner in vielen Fällen ein Übergreifen des Feuers auf ganze Ortsteile verhindern, auch wenn

die große Anzahl der Brände in den Jahren 1908 bis 1910 schließlich dazu führten, dass Erndtebrück scherzhaft „Neubrandenburg“ genannt wurde.

Im Jahre 1908 löste Hauptmann Heinrich Weyandt den ersten Kommandanten Hauptmann Heinrich Saßmannshausen in der Führung der Wehr ab.

 

In der jährlichen Jahreshauptversammlung am 7. März 1914 wurde beschlossen, aus Anlass des 10-jährigen, segensreichen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Erndtebrück im Oktober des Jahres 1914 im Bahnhofshotel ein Stiftungsfest zu feiern und diejenigen Mitglieder, welche zehn Jahre der Wehr angehörten, mit einem Abzeichen zu ehren.

 

Am 19. April 1921 genehmigte die Gemeindevertretung Erndtebrück einen Antrag der Freiwilligen Feuerwehr, die den Feuerwehrleuten bei Bränden entstehenden Lohnausfälle zu erstatten. Ebenso durfte ein Mitglied der Feuerwehr auf Kosten der Gemeinde am westfälischen Feuerwehrtag in Münster teilnehmen.

 

Das 25-jährige Bestehen wurde unter der Führung von Oberbrandmeister Ludwig Wagener, der die Wehrführung 1921 nach dem Tod des Brandmeisters Weyandt übernommen hatte, am 23. Juni 1929 zusammen mit dem “technischen Feuerwehrtag“ des damals schon bestehenden Kreisfeuerwehrverbandes Wittgenstein unter Mitwirkung der Feuerwehrkapelle Berleburg gefeiert.

 

Festzug zum 25 jährigen Bestehen mit 

Oberbrandmeister Ludwig Wagener im Vordergrund

 

 

Im Jahre 1933 wurde die erste Feuersirene auf dem Kirchturm der evangelischen Kirche montiert, nachdem sich der Standort an einem Ortsnetzgittermast an der Ederbrücke als unzureichend erwiesen hatte.

 

Am 11. Oktober 1933 diskutierte die Gemeindevertretung Erndtebrück den Bau eines neuen Spritzenhauses, nachdem die Feuersozietät ein Darlehen in Höhe von 3000 Mark sowie eine Beihilfe von 300 Mark in Aussicht gestellt hatte. Da auch die Feuerwehr die Errichtung eines neuen Spritzenhauses nicht als dringend notwendig erachtete, wenn- gleich sie mit „gewissen“ Schwierigkeiten unter den damaligen Verhältnissen zu kämpfen hatte, wurde das Angebot der Sozietät abgelehnt, zumal selbst bei einem Verkauf des alten Spritzenhauses die Gemeinde noch einen Betrag von 2000 Mark hätte aufbringen müssen, was jedoch nicht zu realisieren war.

 

Am 11. März 1934 beschloss die Freiwillige Feuerwehr in einer außerordentlichen Hauptversammlung aufgrund des Gesetzes über das Feuerlöschwesen vom 15. Dezember 1933 ihre Auflösung, jedoch verpflichteten sich alle Mitglieder, dem zu bildenden Verein „Freiwillige Feuerwehr Erndtebrück e.V.“ beizutreten und den Löschdienst bis zur endgültigen Neueinteilung und Aufstellung der Dienstvorschriften nach Angabe des Polizeiverwalters in bisheriger Weise auszuüben. Bis zur Einsetzung des Wehrführers und der Mitglieder des Führerrates durch den Landrat wurde Kamerad Ludwig Wagener zum Vorstand gewählt.

 

Die erste nennenswerte Modernisierung der Ausrüstung erfuhr die Wehr im Jahre 1936 durch die Anschaffung einer Motorspritze mit Anhänger der Firma Magirus, Ulm.

 

Der 2. Weltkrieg sollte auch an den Wehrmännern in Erndtebrück nicht spurlos vorübergehen und sechs Kameraden kehrten nicht in ihre Heimat zurück. Zwei weitere Feuerwehrmänner verloren bei Luftangriffen auf Erndtebrück ihr Leben. Der Rest der Wehr, ergänzt durch einen Teil Dienstverpflichteter leistete bei tage- und nächte-langen Einsätzen nach den Luftangriffen schier unmenschliches, um zu retten, was noch zu retten war.

 

Nach dem Ende des Krieges war dann von den Ausrüstungen und Geräten nicht mehr viel vorhanden. Die amerikanischen Besatzer hatten die Motorspritze mitgenommen, die einzige Sirene war bei der Zerstörung des Amtsgebäudes vernichtet worden.

 

Am 6. Januar 1946 berief dann Oberbrandmeister Ludwig Wagener wieder eine Jahreshauptversammlung ein, in der Brandmeister Heinrich Stark zum neuen Wehrführer gewählt wurde, nachdem Ludwig Wagener aus Altersgründen zurückgetreten war. 24 Kameraden aus den ehemaligen Reihen der Freiwilligen Feuerwehr sowie den Angehörigen der Pflichtfeuerwehr während des Krieges stellten sich erneut zum Dienst am Nächsten zur Verfügung. Auch der Schriftführer und zeitweilige Vorsitzende, Amtsinspektor Gustav Afflerbach, war der Feuerwehr seit der Übernahme der Funktion des Schriftführers im Jahre 1911 treu geblieben.

 

Der Neuaufbau der Feuerwehr nach dem Krieg gestaltete sich schwierig, sodass neben der Wiederbeschaffung der, von den Amerikanern verschleppten, Motorspritze nur geringe Verbesserungen möglich waren. Erst durch eine Sammlung im Jahre 1948, ähnlich der im Gründungsjahr 1904, sowie durch Spenden großzügiger Geschäftsleute kamen die notwendigen finanziellen Mittel zusammen, um neue Uniformen und die dringendsten Ausrüstungsgegenstände zu beschaffen.

 

Am 18. September 1949 fand dann der erste Verbandstag des Kreisfeuerwehrverbandes Wittgenstein nach dem Krieg erneut in Erndtebrück und zwar in der Viehversteigerungshalle statt.

 

Die mangelhafte Unterbringung der Geräte im Gerätehaus an der Benfe veranlasste den damaligen Landrat und Amtsbrandmeister Ewald Belz, sich erfolgreich für den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses einzusetzen, so dass im Jahre 1950 mit dem Bau im Pulverwald begonnen werden konnte. Fehlende Mittel führten jedoch dazu, dass das Gebäude erst im Jahre 1955 fertig gestellt und seiner Bestimmung übergeben werden konnte.

 

 

Feuerwehrgerätehaus im Pulverwald

 

Zwischenzeitlich erhielt die Wehr im Jahre 1951 das erste Motorfahrzeug, ein LF 8 (Hanomag), welches auch als Zugfahrzeug für den Spritzenanhänger diente und später noch in den Gemeinden Girkhausen und Sassenhausen des Amtes Berleburg stationiert sein sollte. Ebenso wurde die Alarmierung durch die Anschaffung von zwei Sirenen wesentlich verbessert.

LF 8 Hanomag Baujahr 1951, genannt „Adalbert“

 

Nachdem Brandmeister Ernst Wied 1952 für die Dauer von zwei Jahren die Wehrführung innehatte, übernahm 1954 Brandmeister Erich Afflerbach (Römers) nach dem erfolgreichen Besuch der Landesfeuerwehrschule das Amt des Wehrführers.

 

In dieser Zeit machte die Ausrüstung der Wehr im Jahre 1956 mit dem Erwerb des ersten, zwei Jahre alten Tanklöschfahrzeuges von der Stadt Berleburg, einem TLF 15 - Magirus, einen großen Fortschritt. Das Fahrzeug diente dem heutigen Löschzug unter dem Namen „Floggy“ bis zu seinem Verkauf in den Museumsfuhrpark der Spedition Neukirch in Bremen im Jahre 1981.

TLF 15 Magirus  Baujahr 1954

 

Im Zuge der Aufstellung der Luftschutzhilfsdienste (LSHD) durch den Bund wurden 1958 auch Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr

Erndtebrück zum Dienst verpflichtet. Zudem wurde die Schlagkraft der Wehr durch die Überlassung von zwei Fahrzeugen des Katastrophenschutzes, einem Löschgruppenfahrzeug (LF 16 TS) und einem Schlauchkraftwagen (SKW 1000) wesentlich verbessert.

TLF 16/25 und SW 1000 Fahrzeugtype  Magirus MERCUR

 

1962 schaffte die Gemeinde Erndtebrück ein weiteres Löschgruppenfahrzeug (LF 16) an, sodass der Freiwilligen Feuerwehr Erndtebrück dann vier Feuerwehrfahrzeuge zur Verfügung standen.

LF 16 MB Baujahr 1962

 

1964 übernahm Brandmeister Günter Wegener die Wehrführung für zwei Jahre, trat 1966 von dem Amt jedoch wieder zurück und Ernst Wied trat erneut die Führung an.

 

Die positive personelle Entwicklung und der angewachsene Fahrzeugbestand machten den Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses notwendig. Im Jahre 1968 konnte der Neubau auf der Struth, dem auch zwei „Dienstwohnungen“ angeschlossen waren, übernommen werden.

Feuerwehrgerätehaus Struthstaße

 

Im Jahre 1970 wurde das 1956 von der Stadt Berleburg bereits gebraucht gekaufte Tanklöschfahrzeug durch ein weiteres, neues Tanklöschfahrzeug TLF 16/25, den „Neuen Tanker“ ergänzt, der aufgrund seiner guten Bauweise und jahrelanger, liebevoller Pflege noch heute in der Löschgruppe Birkelbach im Löschzug II der Freiwilligen Feuerwehr Erndtebrück eingesetzt ist.

TLF 16/25 Type MB 1013 A  Baujahr 1970

 

Auch in den folgenden Jahren entwickelte sich die Freiwillige Feuerwehr Erndtebrück stetig weiter und die auf inzwischen 44 aktive Feuerwehrkameraden angewachsene Mitgliederzahl stieß hinsichtlich der vorhandenen Transportmöglichkeiten an ihre Grenzen. Im Jahre 1972 war es dann Adolf Weyandt (Krafts), der von seinem Arbeitgeber drei ausgemusterte VW-Busse erwerben konnte und der Freiwilligen Feuerwehr Erndtebrück zum Geschenk machte, sodass in Eigenleistung ein einsatzfähiger Mannschaftstransportwagen entstand.

 

Im Jahre 1974 konnte die Wehr ihren 70. Geburtstag feiern. Wenn es sich auch um kein „echtes“ Jubiläum handelte, sollte die Feier in der Schützenhalle des Erndtebrücker Schützenvereins vor dem Hintergrund der drohenden kommunalen Neugliederung in Verbindung mit dem letzten Verbandstag des Kreisfeuerwehrverbandes des Altkreises Wittgenstein ein rauschendes Feuerwehrfest werden. Überschattet wurden die Jubiläumsfeierlichkeiten jedoch vom plötzlichen Tod des damaligen Amtsdirektors Adolf Wörster.

 

Erstmals wurde im Jubiläumsjahr auch die Freiwillige Feuerwehr Erndtebrück in die partnerschaftlichen Beziehungen zur französischen Stadt Bergues einbezogen und eine Gruppe von 19 Kameraden machten sich mit zwei Feuerwehrfahrzeugen und einem vom heutigen Alterskameraden Willi Skeisgerski zur Verfügung gestellten VW-Bus auf den Weg. Dem MTW- Eigenbau traute man die weite Reise  zu deren Feuerwehr nicht zu.

 

Nach der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 wurde auch der Amtslöschverband Erndtebrück, bestehend aus den Freiwilligen Feuerwehren Erndtebrück und Schameder, aufgelöst und es entstand zusammen mit den Wehren der aus dem ehemaligen Amt Berleburg eingemeindeten Ortschaften die „neue“ Freiwillige Feuerwehr Erndtebrück.

 

Der dadurch in diese Feuerwehr integrierte Löschzug I Erndtebrück unter der Führung von Oberbrandmeister Otto Althaus wurde zum Hauptstützpunkt des Feuerwehrwesens in der Gemeinde Erndtebrück.

 

Die Jahre nach der Neugliederung waren geprägt von dem Bemühen, zusammen mit der Gemeinde Erndtebrück und in kameradschaftlichem Miteinander mit den Kameraden der Löschzüge II und III die Freiwillige Feuerwehr Erndtebrück den veränderten Bedingungen anzupassen und eine den Erfordernissen genügende Organisation zu schaffen. Aber auch Verbesserungen im vorbeugenden Brandschutz sowie die rasante Zunahme des Straßenverkehrs machten es notwendig, dass sich Beschaffungsvorhaben zunehmend am geänderten Spektrum der Einsätze orientierten.

 

So wurde, nachdem sich der selbstgebaute Mannschaftstransportwagen keiner weiteren Instandsetzung mehr würdig erwies, mit der erneuten Anschaffung eines MTW im Jahre 1977 zunächst dem Erfordernis der Beförderung einer nunmehr noch größeren Zahl von Feuerwehr-angehörigen begegnet und es passte auch die Anschaffung eines geländegängigen Tanklöschfahrzeuges (TLF 8/18) im Jahre 1981 noch in die bisher übliche Feuerwehrlandschaft.

MTW MB Baujahr 1977

TLF 8/18 MB 1300L UNIMOG Baujahr 1981, seit

1994 in der Löschgruppe Schameder stationiert.

 

Mit der Ersatzbeschaffung des Löschgruppenfahrzeuges (LF 16/12) und der darauf verlasteten Ausrüstung zur technischen Hilfeleistung im Jahre 1986 wurde jedoch ein neues Kapitel im Dienst am Nächsten aufgeschlagen, welches insbesondere auch die künftige Ausbildung  der Feuerwehrkameraden wesentlich beeinflussen sollte.

 

Da Feuerwehreinsätze in immer größerem Umfang von gefährlichen Stoffen unserer modernen und fortschrittlichen Umwelt beeinflusst waren, war es notwendig, für solche besonderen Einsatzaufgaben das Defizit in der Ausstattung, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der

Sicherheit der eingesetzten Feuerwehrmänner, auszugleichen.

 

Aus diesem Grunde hatte der Regierungspräsident Arnsberg bereits im Jahre 1988 Konzepte für die Wahrnehmung von Einsatzaufgaben im Bereich gefährliche Stoffe und Güter auf Kreisebene gefordert, die neben den Gerätewagen Messtechnik und Gefahrgut für den über-regionalen Einsatz für jede Gemeinde eine Mindestausstattung für GSG-Einsätze vorsehen sollten.

 

Das Konzept des Kreises Siegen-Wittgenstein sah, ebenso wie das Brandschutzkonzept der Gemeinde Erndtebrück, für die Freiwillige Feuerwehr Erndtebrück die Beschaffung eines Gerätewagens - Gefahr- gut (GW-G 1) vor, welche im Jahre 1994 realisiert werden konnte.

 

Zwischenzeitlich konnte der Löschzug I im Jahre 1989 noch einen Einsatzleitwagen (ELW 1) übernehmen, um bei größeren Einsätzen eine optimale Führung der Einsatzkräfte sowie eine reibungslose Kommunikation mit überörtlichen Beteiligten zu gewährleisten.

 

Durch die weiterhin positive personelle Entwicklung des Löschzuges reifte Anfang der 80-iger Jahre der Gedanke, den Schulungsraum zu erweitern. Am 21. Januar 1985 wurde dann mit Unterstützung der Gemeinde in Eigenleistung mit den Umbauarbeiten begonnen und hierfür die Werkstatt „geopfert“. Die Einweihung der neuen Räumlichkeiten konnte dann am 22. März 1985 gebührend gefeiert werden.

 

Im Februar 1988 übernahm Hauptbrandmeister Klaus Hermes die Löschzugführung und übergab diese im März 1991 an Hauptbrandmeister Heinrich Hoffmann.

 

Nachdem erhebliche Schneelasten Anfang der neunziger Jahre zu großen Verformungen der Satteldachbinder der Fahrzeughalle geführt hatten und nur der Bau zusätzlicher Pfeiler den Einsturz des Daches verhinderten, waren die sicherheitstechnischen Anforderungen an ein Feuerwehrgerätehaus nicht mehr gegeben, so dass ein normgerechter Umbau oder der Neubau eines Gerätehauses an anderer Stelle nicht mehr abzuwenden war. Da mangels eines geeigneten Grundstückes, aber auch aus Kostengründen, ein Neubau an anderer Stelle nicht in Betracht kam, wurde in Abstimmung mit der Feuerwehr eine Erweiterung an der Südseite des bestehenden Gebäudes um zwei Stellplätze mit einer Aufstockung zur Aufnahme der notwendigen Sozialräume sowie die Sanierung der verbleibenden Gebäudeteile in Erwägung gezogen.

 

Der Rat der Gemeinde Erndtebrück erkannte in seiner Sitzung am 22. Juni 1994 einstimmig die Notwendigkeit des Umbaues und der Erweiterung des Gerätehauses an und beschloss die Durchführung der Baumaßnahme in den Jahren 1995 und 1996, jedoch sollte sich der Beginn der Bauarbeiten wegen fehlender Fördermittel noch bis zum September 1996 verzögern. Bereits im Dezember 1996 konnte Richtfest gefeiert und das neue Feuerwehrgerätehaus, trotz nicht vorhersehbarer und unerklärlicher Verzögerungen bei der Ausführung einiger Arbeiten, welche die Nerven der am Bau Beteiligten arg strapazierten, ein Jahr später, am 08. November 1997, seiner Bestimmung übergeben werden.

 

Die Kameradinnen und Kameraden des Löschzuges I leisteten, insbesondere beim teilweisen Abbruch der alten Fahrzeughalle sowie beim Innenausbau, rd. 4000 Stunden und konnten durch diese Eigenleistung zu einer erheblichen Senkung der Baukosten auf rd. 1,7 Mio. DM beitragen.

Dachdeckerarbeiten an der Fahrzeughalle

Feuerwehrgerätehaus heute

 

Aber auch bei außerdienstlichen Aktivitäten sollten sowohl die aktiven Kameraden, die Angehörigen der Alters- und Ehrenabteilung und die Ehefrauen nicht zu kurz kommen. So wurden sowohl die mehrtägigen Ausflugsfahrten, die Teilnahme an den nordischen Feuerwehrskimeisterschaften auf Bundes- und Landesebene als auch die Zeltlager zu unvergesslichen Erlebnissen und ließen nicht nur den Feuerwehralltag vergessen, sondern trugen auch zur Förderung der im Einsatz so wichtigen Kameradschaft wesentlich bei.

 

Die mit den Kameraden der Feuerwehr Bergues vor einigen Jahren wiederbelebte Freundschaft ist inzwischen zu einem festen Bestandteil der Partnerschaft zwischen der Stadt Bergues und der Gemeinde Erndtebrück geworden und führt zu regelmäßigen Besuchen hüben und drüben.

Blick über die Stadt Bergues vom Kirchturm

 

Delegation des Löschzuges Erndtebrück mit den französischen Gastgebern vor dem Feuerwehrgrätehaus in Bergues anlässlich der 30 - jährigen Partnerschaft Erndtebrück – Bergues im Mai 2003

 

Dieser Rückblick soll jedoch ausklingen mit dem Dank an alle Feuerwehrfrauen und -männer, die sich in den vergangenen Jahren dem Ehrendienst zum Schutze ihrer Heimatgemeinde zur Verfügung gestellt haben.

 

Dieser freiwillige, selbstlose Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr gründet sich auf den Idealen der Nächstenliebe und des opferbereiten Einsatzes zur Sicherung von Leben sowie Hab und Gut des Nächsten. Es gehören viel Idealismus und noch mehr Gemeinschaftssinn dazu, sich diesem Dienst Jahr für Jahr, ja oft ein ganzes Leben lang zu widmen, ohne dafür materielle oder persönliche Vorteile zu erhalten.

Dafür sei allen Mitgliedern der Wehr gedankt mit dem Wahlspruch

 

"Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr !"